“Stoßt in das Horn auf dem Zion,
schlagt Alarm auf meinem heiligen Berg!
Die Bewohner des Landes sollen zittern.
Denn nah ist der Tag Jahwes.”
– Joel 2,1
Jeder, der die Prophezeiung Joels aufschlägt, wird mit Bedrohung konfrontiert. Die Bedrohung durch Heuschrecken, durch Feinde und durch den Tag des Herrn. Wer das Buch Joel liest, stößt aber auch auf Prophezeiungen der Hoffnung. Hoffnung auf Wiederherstellung, auf die Ausgießung des Geistes und auf die glorreiche Zukunft Zions. Wer war Joel und was ist die Botschaft des nach ihm benannten Buches der Bibel?
Hintergrund von Joel
Wir wissen nur wenig mehr über Joel als das, was in dem Buch selbst steht. Das Buch wurde als eines der zwölf kleinen Propheten in die Bibel aufgenommen. Es wird zwischen Hosea und Amos eingeordnet. Sein Name bedeutet: der Herr ist Gott. Joel konzentriert sich hauptsächlich auf Juda, das südliche Königreich [1] (Joel 4,1; 4,6; 4,8; 4,18-20) und auf die Hauptstadt Jerusalem (Joel 3,5; 4,1; 4,6; 4,16-17; 4,20). Der Prophet weiß, was im Tempel und unter den Priestern vor sich geht. Das macht es wahrscheinlich, dass Joel aus Juda oder sogar aus Jerusalem stammte.
Es ist nicht klar, wann Joel gelebt hat. Die meisten Bibelgelehrten gehen davon aus, dass es die Zeit nach dem Exil war. Das Exil und die Eroberung Jerusalems werden als Ereignisse in der Vergangenheitsform beschrieben. (Joel 4,1-2; 4,17) Außerdem wird kein König erwähnt und der Tempel spielt eine positive Rolle, anders als in den Schriften von Propheten, die vor dem Exil lebten, wie Hosea und Amos. Ein weiterer Grund, der dafür spricht, dass Joel nach dem Exil lebte, ist seine Unheilsprophezeiung gegen Edom (Joel 4,19), die auch von anderen Propheten nach dem Exil wie Obadja beschrieben wird.
Inhalt von Joel
Der erste Teil der Prophezeiung Joels ist eine Verkündigung des Gerichts über Juda. Das Gericht Gottes wird zunächst als Heuschreckeninvasion, Dürre und Vormarsch eines großen Heeres beschrieben. Mit einer Fülle von Bildern schildert Joel die Verwüstung, die über das Land hereingebrochen ist. Die Heuschrecken haben nichts übrig gelassen. Das Land ist verdorrt, das Volk trauert. Der Prophet drängt seine Zuhörer zum Wehgeschrei. Er ruft zur Ehrfurcht vor dem Tag des Herrn auf.
Der Tag des Herrn ist ein Hauptthema bei Joel und anderen Propheten. Er bezeichnet in erster Linie den Tag des Gerichts für Israel und die anderen Völker. Für das Volk Gottes ist er jedoch auch ein Tag des Heils, des Segens und der besonderen Gegenwart Gottes. Im Neuen Testament wird dieses Thema wieder aufgegriffen und auf den Tag angewandt, an dem Jesus wiederkommt, um das Reich Gottes in seiner endgültigen Form aufzurichten. (2. Petrus 3,10)
Der Tag des Herrn ist auch im zweiten Kapitel von zentraler Bedeutung. Joel greift auf das Bild der Heuschreckenplage zurück, um die Invasion eines feindlichen Heeres anzukündigen. (Joel 2,5-9) Der Tag des Herrn wird von einer bebenden Erde und einem bebenden Himmel begleitet.
“Jahwe erhebt die Stimme vor seinem Heer,
denn sein Heer ist überaus groß,
mächtig der Vollstrecker seines Befehls.
Ja, groß ist der Tag Jahwes
und voller Schrecken. Wer kann ihn ertragen?” (2,11)
Erneut ertönt der Aufruf zu Demut, Umkehr und Gebet. Denn Gott ist gnädig und barmherzig, geduldig und reich an Erbarmen. (2,13)
Im zweiten Teil von Joel (ab 2,18) ändern sich die Zeitformen der Verben. Gott erhört das Gebet seines Volkes von 2,17. Er setzt sich für sein Volk ein. Gott verspricht, Ordnung zu schaffen, das Land wiederherzustellen und durch seinen Geist wieder gegenwärtig zu sein. “Und danach werde ich meinen Geist auf alle Menschen ausgießen. Eure Söhne und Töchter werden prophetisch reden. Eure Alten werden Träume haben und eure jungen Männer Visionen.” (3,1) Diese Verheißung wurde am Pfingsttag erfüllt. (Apostelgeschichte 2,17-21) Schließlich gibt Gott Gründe für sein Gericht über die verfeindeten Nationen an (4,1-8), und Joel beschreibt den künftigen Höhepunkt im Kampf zwischen Gott und seinen Feinden (4,9-16). Das Volk Gottes sieht jedoch einer sicheren und gesegneten Zukunft entgegen. Es wird Sicherheit, Frieden und Wohlstand haben. Der Herr wird in Zion wohnen!
Hauptpunkte
- Gottes Gericht ist furchtbar.
- Gott erfüllt seine Verheißungen, wie er es bei der Ausgießung des Geistes an Pfingsten gezeigt hat.
- Die hauptsächliche Erfüllung der Prophezeiung über den Tag des Herrn wird am Tag der Wiederkunft Jesu erfolgen.
[1] Israel wurde nach dem Tod Salomos in zwei Königreiche geteilt, Israel im Norden und Juda im Süden. Dies geschah um 931 v. Chr., offenbar wegen eines Steuerstreits.

