Das Buch der Psalmen ist eine Sammlung von 150 Liedern, Gedichten und Gebeten. Diese Lieder waren über die Jahrhunderte hinweg bis heute eine große Inspirationsquelle für Gläubige.
Datierung und Verfasserschaft
Die in der Bibel gesammelten Psalmen wurden von verschiedenen Autoren aus unterschiedlichen Epochen der israelitischen Geschichte verfasst – etwa in der Zeit von 1400 v. Chr. (während Israels Reise durch die Wüste) bis 400 v. Chr. (zur Zeit Esras, nachdem Israel aus dem Exil zurückgekehrt war).
Rund die Hälfte der Psalmen werden dem König David zugeschrieben. Andere Autoren sind Asaph, die Söhne Korahs, Mose, Salomo, Heman und Ethan. Und bei etwa einem Drittel der Psalmen wird der Dichter nicht erwähnt.
Genres
Im Buch der Psalmen gibt es alle Arten von Gedichten. Einige sind Lob- oder Dankeslieder. Andere sind Klagelieder, die Schmerz und Verwirrung ausdrücken. Manche haben einen didaktischen Ton, und wieder andere Psalmen drücken das Sündenbekenntnis des Dichters aus. Einige berichten über historische Details, andere sind eher zeitlos. Ich möchte einige Beispiele nennen:
- Loblied: Psalm 150.
“Alles, was atmet, lobe Jahwe! Halleluja, preist Jahwe!” - Klagelied: Psalm 13.
“HERR, wie lange wirst du mich noch vergessen,
wie lange hältst du dich vor mir verborgen?” - Sündenbekenntnis: Psalm 38.
“Doch ich bekenne meine Schuld, / ich bereue, was ich tat.… Verlass mich nicht, Jahwe! / Mein Gott, bleib mir nicht fern!” - Didaktischer Psalm: Psalm 49.
“Hört dies an, ihr Völker alle, / merkt auf, alle Bewohner der Welt;
Menschenkinder, Herrensöhne, / miteinander Arm und Reich!
Mein Mund soll Weisheitsworte künden, / mein Herz bemüht sich um Einsicht.” - Historischer Psalm: Psalm 105.
“Denkt an die Wunder, die er tat, / die Beweise seiner Macht und die Entscheide, die er traf.
Ihr Nachkommen seines Dieners Abraham, / ihr Söhne Jakobs, seine Erwählten.”
Persönlich oder für alle?
Viele dieser Psalmen haben einen sehr persönlichen Ton und beruhen auf besonderen persönlichen Erfahrungen und Gefühlen der Dichter. Dennoch können sich andere Menschen oft mit ihren Gefühlen identifizieren und die gleichen Worte verwenden, um ihre eigenen Fragen, Gefühle und ihren Dank auszudrücken. Viele Psalmen waren ausdrücklich dem ‘Chorleiter’ gewidmet und wurden im Tempel, also in öffentlichen Gottesdiensten, verwendet.
Der Psalm 51 zum Beispiel beginnt wie folgt: “Dem Chorleiter. Ein Psalmlied von David. Es entstand, als der Prophet Natan zu ihm kam, nachdem David mit Batseba geschlafen hatte.” (Psalm 51,1-2) David schrieb dieses Lied, nachdem er Ehebruch begangen und dann den Mann ermordet hatte, um seine Sünde zu vertuschen, aber von Gott zur Rede gestellt wurde. Er war sich seiner Sünden zutiefst bewusst und schrie zu Gott um Gnade und Vergebung: “Ja, ich erkenne meine Vergehen, / meine Sünde ist mir stets gegenwärtig… Sieh meine Sünde nicht mehr an / und lösche meine ganze Schuld aus!” (Psalm 51,5; 51,11). Auch wenn sich die meisten von uns nicht in der gleichen Situation wie David befinden, können wir uns sicher mit seinen Schuldgefühlen und seiner Sehnsucht nach Vergebung und der Wiederherstellung seiner Beziehung zu Gott, dem Herrn, identifizieren, wenn wir gesündigt haben. Seine Worte sind auch heute noch bedeutsam und können von Christen auf der ganzen Welt gesungen oder rezitiert werden, da sie zeitlose Gefühle und Wahrheiten ausdrücken.
Ein weiteres Beispiel ist Psalm 89, in dem Etan, der Esrachiter, zum Herrn fleht. Die Lage seines Volkes scheint hoffnungslos und völlig anders als Gottes frühere Verheißungen. Das königliche Geschlecht Davids wurde abgeschnitten, Jerusalem liegt in Trümmern und das Volk ist gezwungen, in Babylon zu leben, weit weg von seiner Heimat. Vor diesem Hintergrund bittet Etan Gott:
“Wie lange noch willst du dich verbergen, Jahwe?
… Herr, wo sind deine früheren Gnadenerweise, / die du David bei deiner Treue geschworen hast?” (Psalm 89,47; 89,50)
Seine Worte spiegeln die Verzweiflung von Menschen wider, die sich in einer schwierigen Situation wiederfinden und nicht verstehen, warum Gott dies geschehen lässt. Sie sind vielleicht nicht im Exil gewesen wie Etan und mögen nicht zum Volk Israel gehören, aber die Diskrepanz zwischen der Zerrissenheit dieser Welt und Gottes herrlichen Verheißungen ist ein allgemeines Thema, unabhängig von den konkreten Umständen. Deshalb spricht dieses Lied immer noch die Herzen vieler Menschen an.
Lektionen für heutige Gläubige
Das Buch der Psalmen ist ein großartiges ‘Liederbuch’, aber es ist noch mehr. Dieses Buch gibt uns einen intimen Einblick in das geistige Leben der Dichter. Es macht deutlich, dass Gläubige oft Verwirrung und Enttäuschung erleben. Es zeigt, dass es viele Schwierigkeiten im Leben gibt, und dass wir Gott um Hilfe bitten können. Viele Psalmen drücken eine feste Hoffnung auf Gottes Verheißungen aus – trotz schwieriger Umstände. Andere weisen auf Seine zahlreichen Eingriffe in die Geschichte hin; was uns auch für die Zukunft Hoffnung gibt. Und aus Lobliedern entspringen Freude und Dankbarkeit für Gottes Größe. All diese Gefühle und Erfahrungen sind Teil eines Lebens mit Gott. Wir sind nicht die ersten, die diesen Weg gehen und schwierige Fragen stellen. Das Buch der Psalmen erinnert uns daran, dass wir Teil einer schon lange bestehenden, weltweiten Gemeinschaft von Menschen sind, die Gott, den Herrn, in allen möglichen Umständen, Gefühlen und Erfahrungen lieben und gehorchen wollen.

