Wieso wurde Jesus getauft?

Alle vier Evangelien beschreiben Johannes den Täufer. Er war ein Prophet und seine Aufgabe war es, die Menschen auf das Kommen Jesu vorzubereiten. Er sagte ihnen, dass das Reich Gottes nahe sei und dass sie von ihren Sünden umkehren sollten. Und viele bekannten ihre Sünden und wandten sich von ihrem gottlosen Lebensstil ab. Als Zeichen ihrer wahren Umkehr ließen sich diese Menschen taufen. Diese Wassertaufe symbolisierte, dass ihre Herzen gereinigt werden mussten. Das Markusevangelium nennt sie deshalb „Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden.” (Markus 1,4, ELB)

Dann geschah eines Tages etwas Besonderes. „Auch Jesus kam aus seiner Heimat in Galiläa an den Jordan, um sich von Johannes taufen zu lassen.“ (Matthäus 3,13). Er reihte sich ein in die sündige Menge, um sich ebenfalls taufen zu lassen. Aber wie kann das sein? Jesus war ohne Sünde, wie konnte Er also seine Sünden bekennen und um Vergebung bitten? Johannes der Täufer verstand das nicht. Er widersprach, „Eigentlich müsste ich doch von dir getauft werden! Und nun kommst du zu mir?“ (Matthäus 3,14). Johannes war sich seiner eigenen Sündhaftigkeit bewusst. Er war ein Prophet, er war ein treuer Diener Gottes, aber er war nicht vollkommen. Auch er brauchte Vergebung und war sofort bereit, dies zuzugeben. Aber Jesus hatte überhaupt gar keine Sünde!

Die Antwort Jesu auf den Einwand des Johannes ist auf den ersten Blick nicht leicht zu verstehen. Er sagte, „Lass es jetzt geschehen; denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen.“ (Matthäus 3,15, ELB) Lasst uns diesen Satz genauer betrachten, damit wir den Auftrag von Jesus besser verstehen.

Jesus identifiziert sich mit Sündern

Jesus ist gekommen, um alle Gebote Gottes zu erfüllen und Gottes Willen zu befolgen. Ein solches Leben ist „gerecht“. Also, die erste Bedeutung von „alle Gerechtigkeit erfüllen“ ist, ein vollkommen sündloses und gehorsames Leben zu führen — wie es alle Menschen tun sollten, aber nicht tun können. Jesus hat es getan.

In Jesaja 53,12 heißt es jedoch, dass der Knecht des Herrn „zu den Übertretern gerechnet wurde“. Dies ist eine Prophezeiung über Jesus. In seiner Taufe identifizierte sich Jesus vollständig mit den Sündern. Er wurde einer von uns. Seine Taufe war Teil seiner Menschwerdung. Deshalb ließ Er sich von Johannes nicht hindern, sich taufen zu lassen.

Jesus wurde an unserer Stelle ein Sünder

Aber es geht noch weiter. Jesus hatte die besondere Aufgabe, die Sünden der anderen zu tragen. Er hat sich auf die Seite der Übertreter gestellt, nicht nur als Zeichen der Solidarität, sondern weil Er wirklich an unserer Stelle zum Sünder wurde. Die Taufe war der Beweis, dass Jesus diesen Auftrag angenommen hat, die Sünden der Menschheit auf sich zu nehmen.

Als Jesus gekreuzigt wurde, musste er den Zorn Gottes tragen, weil er in Gottes Augen zu diesem Zeitpunkt sündig war. So wie es der Apostel Paulus formuliert, „Denn Gott hat Christus, der ohne jede Sünde war, mit all unserer Schuld beladen und verurteilt, damit wir freigesprochen sind und vor ihm bestehen können.“ (2. Korinther 5,21) In einem anderen Brief spricht Paulus das gleiche Thema mit anderen Worten an: „Von diesem Fluch des Gesetzes hat uns Christus erlöst. Als er am Kreuz starb, hat er diesen Fluch auf sich genommen.“ (Galater 3,13) Oder in Jesajas Worten, „Er lässt sich für die Sünden vieler bestrafen, um sie von ihrer Schuld zu befreien. … Er hat viele von ihren Sünden erlöst und für die Schuldigen gebetet.“ (Jesaja 53,11-12)

Jesus tauschte seine Gerechtigkeit gegen unsere Sünden. Er nahm unsere Sünden und gab uns stattdessen seine Vollkommenheit. In Jesus Christus sind wir vor Gott gerecht!

Diese Wahrheit ist schwer zu akzeptieren

Johannes der Täufer versuchte, die Taufe Jesu zu verhindern. Später versuchte Petrus, Jesus daran zu hindern, nach Jerusalem zu gehen, um zu leiden und zu sterben. (Matthäus 16,21-23) Er widersprach auch, als Jesus ihm die Füße wusch. (Johannes 13,6-10) Diese Beispiele zeigen, dass selbst der engste Kreis der Jünger Jesu nicht begriff, wie sehr Er sich selbst erniedrigen musste, um uns zu retten. Jesus musste sich entäußern, indem Er Knechtsgestalt annahm, und Er erniedrigte sich selbst, indem Er gehorsam wurde bis zum Tod am Kreuz. (Philipper 2,7-8) Es hat Ihn alles gekostet, uns zu retten. Aber Er war bereit, dies zu tun um „der Freude willen, die vor Ihm lag“, nämlich zu sehen, wie Menschen, denen vergeben und die erneuert wurden, Gott für immer anbeten.

Diese Wahrheit ist schwer zu verstehen. Es ist einfach überwältigend, dass Gott der Sohn, sich so tief erniedrigt hat. Aber diese Wahrheit ist auch schwer zu akzeptieren, denn sie macht deutlich, wie tief wir Menschen gefallen sind. Sie unterstreicht, wie hilflos unsere Situation ist. Wir können uns nicht selbst retten. Wir müssen akzeptieren, dass ein unschuldiger Mensch an unserer Stelle gestorben ist und dass wir seine Hilfe brauchen. Bist du bereit, dich zu ergeben und die Gerechtigkeit Jesu zu empfangen?

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