Wer hat Jesus getötet?

Einer der erstaunlichsten christlichen Glaubenssätze ist die Überzeugung, dass Gott der Sohn Mensch und ermordet wurde. Er ist der ewige, heilige Herr des Universums, der immer existiert hat und nie aufhören wird zu leben, aber Er wurde wie ein Verbrecher am Kreuz getötet. Es stellt sich die Frage: Wer würde so etwas jemals tun? Wer hat Jesus getötet, und warum? Wir wollen versuchen einige mögliche Antworten zu geben.

(Warum) hat der römische Statthalter Pontius Pilatus Jesus getötet?

Der eigentliche Befehl Jesus zu kreuzigen wurde von Pontius Pilatus gegeben. Er war der römische Statthalter der Provinz Judäa, dem Gebiet der Juden. Die meiste Zeit über residierte er in Cäsarea. Aber während des jüdischen Pessachfestes hielt er sich in Jerusalem auf, wahrscheinlich weil die Versammlung so vieler Juden während des Festes ein hohes Risiko politischer Unruhen mit sich brachte.
Als Jesus an Pilatus ausgeliefert wurde, fand er schnell heraus, dass dieser Mann unschuldig war. Pilatus bestätigte dies mehrfach (siehe z. B. Lukas 23,4; Lukas 23,14-15; Lukas 23,22). Trotzdem lieferte er Jesus aus, um Ihn kreuzigen zu lassen. Warum? Weil er die Menge zufrieden stellen wollte (Markus 15,15) und befürchtete, sie würde einen Aufstand anzetteln oder Pilatus’ politisches Ansehen ruinieren, wenn er ihrer Bitte nicht nachkäme (siehe Matthäus 27,24 und Johannes 19,12). Pilatus stellte sein eigenes Wohlergehen über die Gerechtigkeit. Er war ein Feigling. Jesus aber sagte zu ihm: „Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht von oben gegeben wäre. Deshalb hat der größere Schuld auf sich geladen, der mich dir ausgeliefert hat.“ (Johannes 19,11).

(Warum) hat die jüdische Volksmenge Jesus getötet?

Pontius Pilatus lieferte Jesus zur Kreuzigung aus, aber er tat dies unter dem Druck der jüdischen Volksmenge. Diese Leute übernahmen die volle Verantwortung für den Tod Jesu: „Ja, wir und unsere Kinder, wir tragen die Folgen!“ (Matthäus 27,25). Tragischerweise hat diese Vorstellung, dass die Juden Jesus Christus getötet haben, im Laufe der Jahrhunderte den Antisemitismus angeheizt. Das ist absolut falsch. Gleichzeitig ist es sehr traurig zu sehen, dass die Menschen, die Jesus retten wollte, sich von Ihm abgewandt haben. In Matthäus 23,37 klagt Jesus: „Jerusalem! O Jerusalem! Du tötest die Propheten und steinigst die Boten, die Gott zu dir schickt. Wie oft schon wollte ich deine Bewohner um mich sammeln, so wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel nimmt! Aber ihr habt es nicht gewollt.“
Stephanus, der selbst ein Jude war, nahm kein Blatt vor den Mund. Er sagte seinen Zuhörern: „Genau wie eure Vorfahren widersetzt ihr euch ständig dem Heiligen Geist. Nennt mir einen einzigen Propheten, den eure Vorfahren nicht verfolgt haben. Sie haben alle umgebracht, die vom Kommen des Retters sprachen. Und diesen Unschuldigen habt ihr nun verraten und ermordet!“ (Apostelgeschichte 7,51-52).
Aber das ist noch nicht alles. Die Menschenmenge wurde von ihren religiösen Führern aufgehetzt. Siehe zum Beispiel Markus 15,11.

(Warum) haben die religiösen Führer Jesus getötet?

Während seines irdischen Wirkens geriet Jesus immer wieder mit den jüdischen Religionsführern aneinander. Immer wieder versuchten sie, Ihn in seinen Worten zu verwickeln (z. B. in Matthäus 16,1; 22,15; 22,35; Markus 10,2; Johannes 8,6). Sie stellten seine Autorität in Frage (Matthäus 21,23) und behaupteten, Er sei von Beelzebul, „dem Obersten aller Dämonen“, besessen (Matthäus 12,24). Sie versuchten alles, um der Popularität Jesu Einhalt zu gebieten, da Er ihre eigene Position und Autorität in Frage stellte. Sie vereinbarten sogar, dass jeder, der Jesus als Messias bekennen würde, aus der Synagoge ausgeschlossen werden sollte (Johannes 9,18-24), was im Grunde genommen bedeutete, aus der religiösen Gemeinschaft ausgeschlossen zu werden, die auch in der Gesellschaft eine wichtige Rolle spielte. Als die Ältesten, Schriftgelehrten und Hohepriester sahen, dass sich ihre Bemühungen nicht auszahlten und große Menschenmengen Jesus folgten, schmiedeten sie ein Komplott, um Jesus heimlich zu verhaften und zu töten (Matthäus 26,4). Sie legten falsches Zeugnis gegen Ihn ab (Matthäus 26,59), hetzten die Menge auf und übten so Druck auf Pontius Pilatus aus, Jesus kreuzigen zu lassen.
Diese religiösen Führer waren also für den Tod Jesu verantwortlich. Aber das ist noch nicht die endgültige Antwort.

(Warum) hat Satan Jesus getötet?

Als Jesus sein öffentliches Wirken begann versuchte Satan Ihn zur Sünde zu verführen (Matthäus 4,1-17; Lukas 4,1-12). Wenn Jesus der Versuchung nachgegeben hätte, wäre Er nicht mehr in der Lage gewesen, für die Sünden der Menschheit zu bezahlen, da Er selbst gesündigt hätte. Aber Jesus widerstand der Versuchung. Er erklärte dem Satan den Krieg.
Als Jesus predigte und heilte, kamen viele von Dämonen besessene Menschen zu Ihm und griffen Ihn verbal an. Aber Jesus befahl den Dämonen, aus diesen Menschen herauszufahren, und sie mussten gehorchen. Jesus war stärker als die Diener des Satans.
In einem letzten Versuch, Jesus anzugreifen, „ergriff der Satan Besitz von Judas Iskariot, einem der zwölf Jünger von Jesus. Judas ging zu den obersten Priestern und den Offizieren der Tempelwache und beriet mit ihnen, wie er Jesus an sie ausliefern könnte“ (Lukas 22,3-4).
In Johannes 8,40-45 sagt Jesus etwas Ähnliches zu einigen Juden: „Ich sage euch die Wahrheit, die ich von Gott gehört habe, und nun wollt ihr mich töten. … Denn ihr seid Kinder des Teufels. Und deshalb tut ihr bereitwillig das, was euer Vater wünscht. Der war schon von Anfang an ein Mörder und stand nie auf der Seite der Wahrheit, denn sie ist ihm völlig fremd. Sein ganzes Wesen ist Lüge, er ist der Lügner schlechthin.“
Hinter all diesen menschlichen Kräften steht also der geistige Einfluss Satans. Er ist der Erzfeind Jesu und schien schließlich Erfolg zu haben, als Jesus am Kreuz starb! Aber wir müssen noch tiefer eindringen.

Habe ich Jesus getötet?

Der Tod Jesu war kein Unfall. Er war kein unvorhergesehener Zufall. Er war kein Triumph des Satans. Der Tod Jesu war notwendig, um die Sünde der Menschen zu sühnen. „Wegen unserer Sünden wurde Er durchbohrt. Er wurde für uns bestraft – und wir? Wir haben nun Frieden mit Gott! Durch seine Wunden sind wir geheilt“ (Jesaja 53,5). Obwohl ich noch nicht einmal geboren war, als Jesus vor etwa 2000 Jahren gekreuzigt wurde, bin ich für seinen Tod verantwortlich. Diese schreckliche Wahrheit ist in einem alten Lied sehr schön formuliert:

Herzliebster Jesus, was hast du verbrochen,
dass man ein solch scharf Urteil hat gesprochen?
Was ist die Schuld, in was für Missetaten bist du geraten?

Was ist doch wohl die Ursach solcher Plagen?
Ach, meine Sünden haben dich geschlagen;
ich, mein Herr Jesu, habe dies verschuldet, was du erduldet.

Wie wunderbarlich ist doch diese Strafe!
Der gute Hirte leidet für die Schafe,
die Schuld bezahlt der Herre, der Gerechte, für seine Knechte.
[1]

Jesus hat sein eigenes Leben hingegeben

Aber es gibt noch eine letzte Ebene in dieser Frage. Denn Jesus wurde nicht gezwungen an der Stelle der Menschheit zu sterben. Er hätte seine herrliche Position zur Rechten Gottes, des Vaters, für immer behalten können. Er hätte nicht Mensch werden, leiden und sterben müssen. Aber Er wollte es. Er tat es aus seiner unendlichen Liebe heraus. Wie der Apostel Johannes schreibt: „Wie sehr Christus uns liebt, haben wir daran erkannt, dass Er sein Leben für uns opferte“ (1. Johannes 3,16). Das ist die endgültige Antwort auf die Frage wer Jesus getötet hat: Niemand hat Ihn ermordet. Er hat sein Leben freiwillig hingegeben und sich entschieden, dem Willen des Vaters zu gehorchen. Das wird auch aus den letzten Worten Jesu vor seinem Tod deutlich: „Und Jesus rief laut: ,Vater, in deine Hände lege Ich meinen Geist!‘ Mit diesen Worten starb Er“ (Lukas 23,46).

Ich möchte diesen Artikel mit einem Zitat von Jesus selbst abschließen: „Niemand nimmt mir mein Leben, ich gebe es freiwillig. Ich habe die Macht und die Freiheit, es zu geben und zu nehmen. Das ist der Auftrag, den ich von meinem Vater bekommen habe“ (Johannes 10,18).

Danke, Herr Jesus, für Deine unendliche Liebe zu uns Sündern. Du bist für uns gestorben und indem Du an unserer Stelle gestorben bist, hast Du uns das ewige Leben geschenkt. Dir gehören Ehre, Majestät, Stärke und Macht. Amen.

[1] Text: Johann Heermann (1630). Melodie: Guillaume Franc (1543), Johann Crüger (1640)

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