Die Bibel spricht viel über die Wahrheit. Jesus sagt, dass er die Wahrheit ist (Johannes 14,6). Jesaja nennt den Herrn „den Gott der Wahrheit/Treue” (Jesaja 65,16) und der Apostel Johannes freut sich darüber, dass „ich einige von deinen Kindern in der Wahrheit wandelnd gefunden habe, wie wir von dem Vater ein Gebot empfangen haben” (2. Johannes 1,4 ELBBK). Was ist also Wahrheit und wie können wir sie finden?
Die Suche nach der Wahrheit
Seit Tausenden von Jahren sind Menschen auf der Suche nach der Wahrheit. Nicht nur die beste Methode, um die Wahrheit zu entdecken, sondern auch die Existenz objektiver und absoluter Wahrheit sind Gegenstand vieler Diskussionen gewesen.
Im Prinzip gibt es nur zwei Möglichkeiten, den Begriff „Wahrheit” zu betrachten, und diese widersprechen sich auch noch gegenseitig:
- Absolute Wahrheit, die objektiv und universell ist. Etwas ist für alle wahr, unabhängig von der Zeit, der Kultur, den Umständen oder der persönlichen Situation eines Menschen. Wahrheit ist die Übereinstimmung mit der Realität.
- Beispiel: Wasser ist nass – darüber sind sich alle einig. Das ist einfach eine Tatsache.
- In vielen alten Religionen und Philosophien ging man von absoluter Wahrheit aus. Sie bildete die Grundlage ihrer Moral und ihrer Sicht auf die Gesellschaft. Darüber hinaus war für die meisten frühen Wissenschaftler das gesamte Ziel der Wissenschaft die Entdeckung absoluter Wahrheiten.
- Relative Wahrheit: Der Relativismus geht davon aus, dass es keine absolute Norm für Wahrheit gibt und dass Wahrheit daher relativ ist. Was für eine Person (zu einem bestimmten Zeitpunkt und unter bestimmten Umständen) wahr ist, muss nicht unbedingt für alle Menschen zu allen Zeiten wahr sein.
- Beispielsweise sagt Person A, dass das Wasser kalt ist, während Person B es warm findet. Oder Person A findet es heute kalt, morgen aber warm. Selbst die Tatsache, dass „Wasser nass ist“, kann sich ändern, wenn es gefriert, und hängt somit von bestimmten Umständen ab.
- Obwohl der Relativismus eine lange Tradition hat, wurde er erst im 20. Jahrhundert wirklich beliebt. Viele Menschen begannen, absolute Normen als ein ungültiges und überholtes Konzept zu betrachten. In den Sozialwissenschaften sagen Wissenschaftler, dass Menschen aus verschiedenen Kulturen ganz unterschiedliche Annahmen über die Realität haben. Viele Philosophen stellen die Idee der objektiven Wahrheit in Frage; sie sagen, dass es keine Realität gibt, die unabhängig von unseren eigenen Vorstellungen existiert.
In der Praxis sind die meisten Menschen nicht zu 100 % Anhänger einer dieser beiden Strömungen. Sie können beispielsweise Naturgesetze, die durch sorgfältige wissenschaftliche Forschung entdeckt wurden, als objektiv wahr ansehen, politische Ansichten jedoch als subjektive Meinung. Sie haben vielleicht nicht vollständig darüber nachgedacht, in welchen Bereichen sie an absoluter Wahrheit festhalten und in welchen sie eine relativistische Haltung einnehmen, geschweige denn, warum sie dies eigentlich tun, aber sie haben dennoch die Vorstellung, dass beide Standpunkte nebeneinander existieren können.
Warum diese Frage für uns alle relevant ist
Die Suche nach der Wahrheit ist nicht nur für Wissenschaftler und Philosophen von Bedeutung. Menschen neigen dazu, nach dem Sinn des Lebens zu suchen – nicht nur im abstrakten Sinne, sondern auch auf persönlicher Ebene.
Wenn es eine absolute und objektive Wahrheit gibt, kann diese ein Anker für unsere Existenz und eine Grundlage für moralische Rahmenbedingungen sein, die über Zeit und Kultur hinausgehen, wie beispielsweise die universellen Menschenrechte. Wenn Wahrheit nur subjektiv ist, gibt es keinen absoluten Ausgangspunkt mehr, auf den wir unsere moralischen Entscheidungen stützen können. Ohne absolute Wahrheit gibt es kein absolutes Richtig oder Falsch, Gut oder Böse.
Um andere Menschen wirklich zu verstehen, auch wenn sie aus anderen Kulturen, Zeiten oder Hintergründen stammen, müssen wir uns bewusst machen, dass es eine Reihe grundlegender Tatsachen und Wahrheiten gibt, die wir alle teilen. Wenn unsere Vorstellungen von der Realität nichts weiter als das Produkt unserer persönlichen Wahrnehmung und Umstände sind, dann sind echte Dialoge und gegenseitiges Verständnis zwischen Menschen unmöglich.
Wenn es keine absolute Wahrheit gibt, dann ist religiöser Relativismus die unvermeidliche Folge: Jeder kann wählen, welchen Überzeugungen er oder sie folgen möchte, und niemand kann behaupten, dass sein oder ihr Glaube der einzig wahre ist. Dies steht eindeutig im Widerspruch zu Jesu Aussage: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich.“ (Johannes 14,6 ELBBK, vergleiche Apostelgeschichte 4,11-12).
Was sagt die Bibel über Wahrheit?
Gottes Wort ist Wahrheit (Johannes 17,17). Es ist zuverlässig, unveränderlich und lehrt uns einige grundlegende Wahrheiten, die jeder Mensch wissen sollte. Es sagt uns (neben vielen anderen Dingen), dass es einen Gott gibt, der uns erschaffen hat. Es sagt uns, dass unsere Beziehung zu ihm leider zerbrochen ist. Und es sagt uns, dass Jesus einen Weg bietet, um wieder mit Gott ins Reine zu kommen. Das sind objektive, universelle Tatsachen. Menschen können diese Tatsachen ignorieren oder ablehnen, aber das macht sie nicht weniger wahr.
Gott lässt keinen Raum für „abweichende Meinungen“ oder „alternative Fakten“, wenn es um die Identität Jesu und sein Erlösungswerk geht. Er offenbart seinen Zorn „über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit in Ungerechtigkeit besitzen“ (Römer 1,18 ELBBK).
Die Menschheit ist mit einem schwerkranken Patienten vergleichbar. Die Bibel erklärt uns, was los ist, und zeigt uns, wo wir Heilung finden können. Wenn wir mit der Diagnose nicht einverstanden sind, bleiben wir krank und werden nicht gesund. Wenn wir nach anderen Lösungen suchen und die Hilfe Jesu ablehnen, gehen wir dem Tod entgegen. Deshalb sind die Wahrheiten in der Bibel nicht nur Ideen, denen wir zustimmen oder nicht zustimmen können – es ist eine Frage von Leben und Tod.
Wie können wir Wahrheit finden?
Die Bibel erhebt nicht den Anspruch, Antworten auf alle möglichen Fragen zu haben. Sie enthält nicht viele Details über Biologie, Chemie oder Astronomie, um nur einige interessante Forschungsgebiete zu nennen. Die Bibel ist in erster Linie Gottes „Liebesbrief“ an die Menschheit, in dem er sich selbst offenbart. Er ist die Wahrheit, kann aber nicht wissenschaftlich beschrieben und analysiert werden. Er übersteigt unser Denken und Verstehen bei weitem.
Aber die Bibel gibt durchaus Antworten auf die grundlegendsten Fragen nach dem Sinn des Lebens und bietet einen konsequenten moralischen Rahmen, der von Gott festgelegt wurde und kulturelle und zeitliche Grenzen überschreitet.
- Zunächst einmal sagt Jesus: „Ich bin die Wahrheit“ (Johannes 14:6).
- Dann sagt Jesus, als er zu Gott, dem Vater, betet: „Dein Wort ist Wahrheit“ (Johannes 17,17).
- Er sagt auch, dass der Heilige Geist der Geist der Wahrheit ist (Johannes 14,17).
In dieser dreifachen Darstellung der Wahrheit ist es die besondere Aufgabe des Heiligen Geistes, uns von der Wahrheit zu überzeugen: „Und der Geist ist es, der Zeugnis ablegt, weil der Geist die Wahrheit ist“ (1. Johannes 5,6 ELBBK). Der Heilige Geist bezeugt, dass Jesus der ewige Sohn Gottes ist, der sein Blut am Kreuz vergossen hat, um alle unsere Sünden vollständig zu sühnen. Der Heilige Geist bezeugt auch die Wahrheit und Autorität des Wortes Gottes. Um in der Wahrheit zu bleiben, brauchen wir die Hilfe und Führung des Heiligen Geistes.
Was bedeutet das für unser Leben?
Die Existenz einer absoluten Wahrheit, wie sie uns im Wort Gottes, der Bibel, offenbart wurde, ist für uns alle von großer Bedeutung. Sie bietet nicht nur eine solide Grundlage für unser Weltbild und unsere Identität als Menschen, sondern gibt uns auch einige Grundregeln für das Leben, die über die Grenzen von Zeit und Kultur hinausgehen. Mehr dazu in einem separaten Artikel mit dem Titel ,In der Wahrheit wandeln‘.

