Für viele ruft der Begriff „Tag des Herrn” das Bild einer großen Schlacht zwischen Gut und Böse am Ende der Zeit hervor, in der sich Plagen über die ganze Welt ausbreiten. Obwohl dieses Bild seinen Ursprung im letzten Buch der Bibel hat, verfehlt es die wichtige Bedeutung dieses biblischen Ausdrucks. In diesem Artikel wird daher untersucht, was die Bibel über „den Tag des Herrn“ zu sagen hat.
Der Tag des Gerichts
Der Ausdruck „der Tag des Herrn“ erscheint mehrmals im Alten Testament, ausschließlich bei den Propheten. Jedes Mal wird er als ein großer und schrecklicher Tag beschrieben, an dem Gott kommen wird, um seine Macht über das Böse zu zeigen. Furcht und Finsternis werden über das Land hereinbrechen, denn Gott wird die Sünden der bösen Völker richten. Damit ist oft nicht ein Tag in ferner Zukunft gemeint, sondern ein Tag, der sehr bald eintreten wird. Joel schreibt:
„Stoßt in die Posaune auf Zion, und blast Lärm auf meinem heiligen Berg! Beben sollen alle Bewohner des Landes; denn es kommt der Tag des HERRN, denn er ist nahe!“ (Joël 2,1-2a ELB)
Indem Gott die sündigen Nationen richtet, befreit er Israel von der Unterdrückung. Der Tag des Herrn ähnelt daher dem Exodus, als Gott Ägypten mit Plagen richtete, um sein Volk aus der Sklaverei zu retten
Israel ist nicht ausgenommen
Dies bedeutet jedoch nicht, dass Israel immer von Gottes Gericht verschont bleibt. Gott hat klar gesagt, dass Israel gerichtet werden würde, wenn es wie die umliegenden Nationen sündigte (siehe 5. Mose 28,15). Amos warnt die Israeliten sogar davor, Gottes Gericht am Tag des Herrn herbeizusehnen, als ob dieser Tag für sie gut enden würde.
„Wehe denen, die den Tag des HERRN herbeiwünschen! Wozu soll euch der Tag des HERRN sein? Er wird Finsternis sein und nicht Licht!“ (Amos 5,18 ELB)
Die Israeliten glaubten, Gott würde kommen und sie retten, wie er es in Exodus getan hatte, obwohl sie genauso sündig waren wie die anderen Völker. Gott macht deutlich, dass auch die Israeliten seinen Zorn zu spüren bekommen, wenn sie sich weigern, seinen Geboten zu folgen. Jeder Stolze wird an diesem Tag erniedrigt (Jesaja 2,12), und Israel bildet da keine Ausnahme.
Jesu Wiederkunft als der neue Tag des Herrn
Der „Tag des Herrn“ oder ähnliche Ausdrücke wie „der Tag des Gerichts“ oder „jener Tag“ werden im Neuen Testament in ein neues Licht gerückt (z. B. in Matthäus 24,42; 1. Thessalonicher 5,1 und 2. Petrus 3,8-10). Gemeint ist damit meist der Augenblick, wo unser Herr Jesus wiederkommt und das Gericht verkündet. An diesem Tag wird Jesus mit dem Klang einer Posaune in all seiner Herrlichkeit zurückkehren, um die Sünden und die Ausschweifungen auf Erden zu richten. Dann werden die Toten auferstehen und alle Gläubigen werden versammelt, um für immer bei Jesus zu sein (1. Thessalonicher 4,13-18). Gleichzeitig erfahren wir in Apostelgeschichte 2, dass der Tag des Herrn bereits zu Pfingsten gekommen war, als der Heilige Geist ausgegossen wurde. Durch den Geist sind Gläubige in Gemeinschaft mit Christus, um gute Werke zu tun. Doch wir warten noch immer auf den Augenblick, wo wir für immer bei ihm sein werden, wenn er wiederkommt.
Wie wird der Tag des Herrn für mich sein?
Wie sollten Christen reagieren? Oft werden „der Tag des Herrn“ und die Wiederkunft Jesu mit Fragen konfrontiert wie: „Wann wird das alles geschehen?“, „Was wird dem vorausgehen?“ und „Wird es noch zu unseren Lebzeiten geschehen?“ Diese Fragen sind sicherlich berechtigt, aber ich glaube, es ist wichtiger, sich selbst zu fragen: „Wie wird der Tag des Herrn für mich sein?“ Die Bibel sagt, dass der Tag des Herrn für alle, die in der Finsternis leben, wie ein Dieb in der Nacht kommen wird. Wer aber im Licht Christi lebt, den wird er nicht überraschen (1. Thessalonicher 5,1-4). Wenn wir Gottes Wort befolgen, wird es ein Tag endloser Freude sein. Der Tag der Wiederkunft Jesu wird für alle, die Gott nicht lieben, schrecklich sein, aber für alle, die sich vor Christus demütigen, wird es ein Tag der Erlösung sein.

