Die kurze Antwort auf diese Frage lautet: weil Gott kein Individualist ist. In dieser Welt, insbesondere in der westlichen Kultur, gibt es einen starken Drang, als Individuum gesehen zu werden, das nur für sein eigenes Leben verantwortlich ist. Aber so funktioniert das Leben eindeutig nicht. Die Hautfarbe und die Augenfarbe werden von den Eltern bestimmt. Auf einer tieferen biologischen Ebene werden viele Fragen, die die Gesundheit betreffen, dadurch bestimmt, wer deine Eltern sind. Du hast den gleichen Einfluss auf das Leben deiner Kinder. Die Chancen, die sich dir im Leben bieten, werden zu einem großen Teil durch deine Erziehung und dein Umfeld bestimmt. Du erhältst Chancen durch die Handlungen der Menschen um dich herum, und durch deine Handlungen trägst du zu den Chancen bei, die sie bekommen oder nicht bekommen.
Man kann dies als bedauerlich ansehen. Aber in Wirklichkeit ist es ein Teil der Herrlichkeit des Menschseins. Wir sind keine einsamen Planeten, die ihren Erfolg oder ihr Scheitern völlig selbst bestimmen müssen. Wir sind Teil von Familien, Netzwerken, Gemeinschaften und Nationen, die einen großen Einfluss darauf haben, wer wir sind und was wir tun. Menschsein bedeutet, in Beziehungen zu leben, und diese Beziehungen – insbesondere die zu unseren Eltern – haben einen großen Einfluss darauf, wer wir sind.
Als Adam, der erste Mensch, sündigte, brach er seine Verbindung zu Gott ab. Er veränderte sich. Er wurde ein Sünder. Das bedeutete nicht nur, dass er ein Sünder wurde, weil er eine Sünde begangen hatte. Seine Rebellion gegen Gott veränderte sein Herz. Weil er die Verbindung zu Gott abbrach, hatte er nun eine Veranlagung zum Sündigen in seinem Herzen. Das hatte Folgen für alle, die nach Adam kamen.
Sind alle Menschen für die Sünde Adams verantwortlich?
Im Laufe der Geschichte hat die Kirche immer wieder darüber diskutiert, ob Gott alle Menschen, also auch dich und mich, für die Sünde Adams verantwortlich macht. Die Bibelstelle, die sich mit den Folgen von Adams Sünde für uns befasst, ist Römer 5,12-21. Zwei Aussagen scheinen darauf hinzudeuten, dass Gott alle Menschen zur Verantwortung zieht wegen Adams Sünde (obwohl nicht alle Bibellehrer darin übereinstimmen). In Römer 5,12-14 steht: “Auf diese Weise ist der Tod zu allen Menschen hingekommen, weil sie ja alle gesündigt haben. Selbst als es das Gesetz noch nicht gab, war die Sünde schon in der Welt. Doch wird sie da, wo es kein Gesetz gibt, nicht als Schuld angerechnet. Trotzdem herrschte der Tod schon in der Zeit zwischen Adam und Mose auch über die Menschen, die nicht in derselben Weise wie Adam sündigten.” Wahrscheinlich ist damit gemeint, dass in Adam „alle sündigten“. Die Sünde Adams war unsere Sünde.
Römer 5,18 ist sogar noch ein bisschen deutlicher: “So wie eine einzige Verfehlung allen Menschen die Verdammnis brachte, so bringt eine einzige Tat, die Gottes Rechtsforderung erfüllte, allen Menschen den Freispruch und damit das Leben.” Die eine Tat der Gerechtigkeit spricht davon, was Jesus für uns getan hat. Seine Gerechtigkeit wird uns als Gerechtigkeit angerechnet. Es macht am meisten Sinn, die erste Hälfte des Verses auf die gleiche Weise zu lesen: Adams eine Übertretung wird uns als Übertretung angerechnet.
Sind Adams Nachkommen auch Sünder?
Aber die wichtigste Frage in Bezug auf die Folgen von Adams Sünde ist nicht, ob du für seine Sünde verantwortlich bist. Viel wichtiger ist, dass Adams Sünde dich zum Sünder gemacht hat, weil du sündigen willst. Was ist die Frucht des Mangobaums? Mangos. Welche Art von Jungen bekommen Affen? Affen. Und was für Kinder werden Sünder bekommen? Sünder. Das ist keine Überraschung. Als Sünder war es für Adam unmöglich, Kinder ohne eine sündige Natur zu bekommen. Deshalb werden alle Menschen als Sünder geboren. Es gibt viele Dinge, die du durch deine Eltern bekommen hast: deine schönen Augen, deinen scharfen Verstand, deinen Platz in der Gemeinschaft, all die Dinge, die du zum Aufwachsen brauchst. Und du hast noch etwas bekommen: Die Sünde, die tief in dir verwurzelt ist, und du wirst dich damit auseinandersetzen müssen.
Die Frage „Warum muss ich die Folgen der Sünde Adams tragen, wenn ich die Frucht nicht gegessen habe?“ klingt wie eine Beschwerde. Der Hintergrund dieser Beschwerde könnte ein Gedanke wie dieser sein: „Adam hat eine falsche Entscheidung getroffen. Warum sollte ich bestraft werden? Ich habe nichts Falsches getan.“ Hierin würdest du dich natürlich irren. Niemand außer Jesus kann von sich behaupten, nichts falsch gemacht zu haben. Ob Gott dich für Adams Sünde bestrafen würde oder nicht, ist eine ziemlich theoretische Diskussion: Du hast selber eine Menge Sünden, für die Gott dich bestrafen könnte. Du hast viel mehr Grund, dir über deine eigenen Sünden Sorgen zu machen als über die Sünde Adams!
Gute Nachrichten
Eigentlich steckt in der Wahrheit, dass du die Folgen von Adams Sünde zu tragen hast, eine sehr gute Botschaft. Wenn die Handlungen eines anderen Menschen dich nicht zum Sünder machen könnten, könnten auch die Handlungen eines anderen Menschen dein Sündenproblem nicht lösen. Aber das ist nicht der Fall. Adams Sünde hat dich zum Sünder gemacht, ohne dass du dich dafür entschieden hast, einer zu werden. Genauso wirst du deine Sünde nicht durch deine eigenen Handlungen los, sondern durch das, was Christus für dich getan hat.
Die gute Nachricht dabei ist: Es ist unmöglich, die Sünde durch eigenes Handeln loszuwerden. Die Sünde ist zu tief in uns verwurzelt. Aber das musst du auch gar nicht. Allein durch den Glauben an Jesus bekommst du Vergebung der Sünden und ewiges Leben. Adams Sünde hatte schreckliche Folgen. Aber die Gnade Jesu ist noch größer als das. Adams Sünde führte zu noch mehr Sünde und Tod. Aber Jesu Gnade führt zu Gerechtigkeit und ewigem Leben. Gott ist kein Individualist. Als Adam auf Abwege geriet, warst du mit einbezogen und bist seinem Weg gefolgt. Wenn du Jesus liebst, legt er seine Arme um dich und sagt seinem Vater: Er / Sie ist Teil von mir. Wo ich hingehe, wird er/sie mir folgen, bis ins ewige Leben.

