Kleine Kinder lieben es, die Welt zu erkunden. Dennoch schränken verantwortungsbewusste Eltern ihre Bewegungsfreiheit ein, um sie vor Gefahren zu schützen, die sie noch nicht verstehen. Wenn Kleinkinder frei im Haus spielen dürfen ohne dass die Erwachsenen aufpassen, könnten sie sich an einer heißen Heizung die Hände verbrennen, ihre Finger in eine Steckdose stecken oder die Tischdecke vom Tisch ziehen, nur um von einer Tasse mit heißem Tee verbrüht zu werden. Es ist daher notwendig, die Freiheit der Kinder zu beschränken!
Das Gesetz Gottes, das dem Volk Israel durch Mose gegeben wurde, hatte eine ähnliche Funktion. In Galater 3,23 heißt es: „Bevor aber der Glaube kam, waren wir Gefangene der Sünde, vom Gesetz scharf bewacht.“ So wie kleine Kinder in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt sind, so wurden die Menschen „unter der Aufsicht des Gesetzes in Gewahrsam gehalten“ (so wird es übersetzt in der Neue Genfer Übersetzung). Der Vergleich mit Kleinkindern macht deutlich, dass dieser Vers das Gesetz nicht in ein schlechtes oder negatives Licht rückt. Vielmehr sorgt die Vorschrift dafür, dass man nicht die Finger in die Steckdose steckt oder Dinge vom Tisch zieht. Somit verhindert das Gesetz Unfälle.
Im Glauben reifen
Kinder werden jedoch nicht für immer unter ständiger Aufsicht stehen. Eines Tages wird das Kind frei durch das Haus laufen. Auch das Gesetz ist nicht für die Ewigkeit gedacht. Galater 3,23 endet damit, dass wir durch das Gesetz bewacht werden, „bis die Zeit da war, in der der Glaube an Christus uns befreien sollte.“ Und in Vers 24 (NGÜ) heißt es weiter: „Das Gesetz war also unser Aufseher, unter dessen strenge Hand Gott uns gestellt hatte, bis Christus kam.“ Die Bestimmung war notwendig bis zur Zeit Christi. Danach wandeln wir frei.
Viele Übertretungen werden durch das Gesetz verhindert. Das sind die eben erwähnten Unfälle. Durch die Vorschrift werden Menschen, die zur Sünde neigen, in Schach gehalten, so dass sie nicht so schlimm sündigen wie sie es ohne die Verordnung tun würden. Aber das ist nicht der einzige Sinn und Zweck der Regel.
Gottes Verheißungen
Paulus sagt dass Gott das Gesetz „zusätzlich gegeben“ oder „hinzugefügt“ hat (Galater 3,19). Da stellt sich die Frage, was es hinzugefügt wurde. Das wird in Galater 3,6 erklärt: „Abraham glaubte Gott, und so fand er bei ihm Anerkennung“.
Im 1. Buch Mose macht Gott, der Herr, dem Abraham viele Verheißungen. Gott verspricht ihm, dass durch ihn alle Völker der Erde gesegnet werden. Er versichert ihm auch, dass er ihm das Land Kanaan zum Erbe geben und ihn zu einem großen Volk machen wird. Abraham glaubt diesen Verheißungen Gottes. Das wird ihm als Gerechtigkeit angerechnet. Mit anderen Worten sagt Gott: „Abraham, ich erkläre dich für gerecht, nicht weil du etwas besonders Gutes getan hast, sondern weil du an meine Verheißungen glaubst.“
Paulus erklärt in diesem Kapitel, dass Gott die Menschen immer auf diese Weise behandelt (Galater 3,7). Abraham wird von Gott aufgrund seines Glaubens beschenkt. Und das Gleiche gilt für alle Völker. Durch das Vertrauen werden sie gesegnet werden. Dieser Segen besteht darin, ein Kind Gottes zu sein. „Nun seid ihr alle zu Kindern Gottes geworden, weil ihr durch den Glauben mit Jesus Christus verbunden seid“ (Galater 3,26). Als ein Kind Gottes wirst du immer bei ihm sein: Jetzt auf der Erde, nach diesem Leben im Himmel und schließlich auf der neuen Erde. Welch eine Gnade!
Das Gesetz wurde hinzugefügt
Das Gesetz wurde zu Gottes Belohnung oder Geschenk für den Glauben der Menschen „hinzugefügt“. Die Verheißung an Abraham und an die Völker wird dadurch nicht gebrochen. Der Bund mit Abraham ist eine Verheißung von Gottes Seite. Er verlangt keine Gegenleistung. Es sind bedingungslose Segensverheißungen. Nichts kann daran etwas ändern. Aber es ist noch etwas hinzugekommen.
Gott gab Vorschriften, die das Volk Israel befolgen musste. Wenn die Israeliten das nicht taten, erhielten sie nicht den Segen, sondern den Fluch. Eines der Hauptthemen in der Bibel ist der Segen Gottes. Wenn das Gesetz hinzugefügt wird, lesen wir von einem Fluch. Warum also wird die Verordnung hinzugefügt? Zum Teil, weil es die Übertretungen in Schach halten soll, wie oben schon erwähnt. Aber das ist nicht alles.
Die Funktion des Gesetzes
„Gott hat [das Gesetz] zusätzlich gegeben, damit wir das Ausmaß unserer Sünden erkennen“ (Galater 3,19). Denk noch einmal an die kleinen Kinder, die in ihrer Freiheit weise eingeschränkt werden. Allmählich beginnen sie zu verstehen, dass sie begrenzt werden, weil sie bestimmte Dinge tun wollen, die nicht gut für sie sind. Und noch später verstehen sie, dass ihre Eltern sie nicht beschneiden um sie zu frustrieren, sondern zu ihrem eigenen Wohl. Das ist der Zweck der Bestimmung. Das Gesetz macht deutlich, dass wir Sünder sind und einen Erlöser brauchen.
Gottes Regeln sind nicht dazu da, uns zu zeigen, wie wir leben sollen um in den Himmel zu kommen. Das Gesetz soll uns zeigen, dass wir nicht gut genug sind um aus eigener Kraft in den Himmel zu kommen und dass wir deshalb einen Retter brauchen, der uns unsere Sünden vergibt und uns ewiges Leben schenkt.

