Sollte die Gemeinde sich im sozialen Bereich engagieren?

Gott ist der Schöpfer dieser Welt. Durch die Sünde hat Satan in der Welt Fuß gefasst, und folglich entsprechen viele Dinge in dieser Welt nicht dem ursprünglichen Plan Gottes. Deshalb heißt es, „dass die gesamte Schöpfung bis heute unter ihrem Zustand seufzt, als würde sie in Geburtswehen liegen.“ (Römer 8,22) Die ‘Geburtswehen’ weisen hier auf das neue Leben und die neue Erde hin, welche Gott für diejenigen bereitet, die an Ihn glauben.

Gott liegt die gesamte Schöpfung am Herzen

In Römer 8 lesen wir, dass Gott nicht nur unsere Seelen am Herzen liegen, sondern die gesamte Schöpfung. „Auch die Schöpfung wird einmal […] befreit werden.“ (Römer 8,21) Gott kümmert sich um die Probleme dieser Welt, und Er möchte, dass sie gelöst werden. Das sollten wir natürlich auch. Jesus ist uns darin auch ein Vorbild. Er hat die Kranken geheilt. Er hat Ausländer und Frauen in einer Weise geachtet, wie es in seiner Kultur nicht üblich war. Jesus hatte eine Menge darüber zu sagen, wie wir unser Geld ausgeben sollen. Und Er sagte uns, dass wir ‘Arme, Behinderte, Gelähmte und Blinde’ (Lukas 14,13) zu unseren Festen einladen sollen.
Aber im selben Kapitel, Römer 8, lesen wir auch, dass die endgültige Lösung der Probleme in der Schöpfung das Werk Gottes ist. Und dass es darauf beruht, dass die Menschen Teil seiner Familie werden, und schlussendlich „die Kinder Gottes in ihrer ganzen Herrlichkeit erkennbar werden.“ (Römer 8,19) Und wieder sehen wir das im Leben von Jesus. Obwohl Er seine Liebe zu den Armen, den Menschen mit Problemen und den Kranken auf viele Arten zeigte, war Sein Hauptaugenmerk geistlich. Als ein lahmer Mann kam, um geheilt zu werden, sprach Jesus zuerst das Hauptproblem an und sagte: „Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.“ (Markus 2,5) Wir sollten dem Vorbild Jesu folgen. Indem wir den Menschen helfen und nie vergessen, dass ihre geistlichen Probleme am wichtigsten sind.

Besondere Aufgabe

Wenn wir fragen, ob sich die Gemeinde im sozialen Bereich engagieren sollte, hängt die Antwort davon ab, was mit ‘Gemeinde’ gemeint ist. Wenn wir von ‘allen Christen’ sprechen, dann lautet die Antwort ja. Wie Jesus sollten wir uns um Menschen und ihre Probleme kümmern und helfen, wo wir können. Aber wenn wir die Gemeinde als Institution meinen, ist die Antwort etwas schwieriger. Gemeindeleiter sollten sich nicht auf die Sozialarbeit konzentrieren, sondern sollen sich „dem Gebet widmen und der Weitergabe des göttlichen Wortes.“ (Apostelgeschichte 6,4) Andere in der Gemeinde haben jedoch die besondere Aufgabe, den Armen in der Gemeinde zu helfen (Apostelgeschichte 6,3).
Wir lesen allerdings nirgendwo im Neuen Testament, dass sich die Gemeinde als Institution in gesellschaftlichen Fragen außerhalb der Gemeinde engagierte. Die natürlichste Art und Weise, das anzuwenden, was wir im Neuen Testament lesen, ist, dass alle Christen sich sozial engagieren und anderen helfen. Die Gemeinde sollte sich um die Armen in ihrer Mitte kümmern. Sie sollte ihre Mitglieder lehren, ihre Nächsten zu lieben wie sich selbst, und dies dann im täglichen Leben durch aktives Engagement in der Gesellschaft zeigen.

Gottes Vision zeigen

Die Gemeinde als Institution muss immer die richtige Mitte finden zwischen einem zu starken Engagement im sozialen Bereich, so dass das Evangelium in Vergessenheit gerät, und einer zu starken Betonung des geistlichen Lebens, so dass sie nichts mehr über das Leben auf dieser Erde zu sagen hat. Die Gemeinde ist eindeutig dazu berufen, zu lehren, wie wir leben sollen, denn die Bibel spricht viel davon. Sie ist dazu berufen, zu zeigen, wie Gott sich diese Welt vorgestellt hat. Aber die Gemeinde sollte klug genug sein, sich nicht auf eine bestimmte Politik festzulegen, um diese Vision zu erreichen. Denn dann wird die Gemeinde politisch. Die große Gefahr besteht darin, dass sie falsch liegen könnte oder eine bestimmte Richtlinie befürwortet, während eine andere Vorgehensweise das gleiche Ergebnis bringen könnte. Das sollte vermieden werden, denn die Gemeinde sollte sich auf die Verkündigung des Evangeliums Christi konzentrieren. Es sollte nicht dazu führen, dass Menschen die Gemeinde aus einem anderen Grund ablehnen als dem, dass sie das Evangelium nicht annehmen.

Ausnahmen

Es gibt einige wenige Ausnahmen, in denen sich die Gemeinden zu gesellschaftlichen Fragen äußern können und sollen. Wenn eine Gesellschaft etwas zulässt, was eindeutig unmoralisch ist, erhebt die Gemeinde ihre Stimme. Bereits im zweiten Jahrhundert sprach sich die Gemeinde gegen die Abtreibung aus, und sie tut es immer noch. Und manchmal ist die Gemeinde die einzige einflussreiche Institution, die ihre Stimme gegen eine diktatorische oder korrupte Regierung erheben kann. Die Kirchen spielten eine wichtige Rolle beim Fall der Mauer in Deutschland. Und in afrikanischen Ländern ist oder war die Gemeinde oft die einzige Institution, die helfen kann, Menschen aus der Armut zu befreien.
Wir finden in der Bibel kein Gebot, das die Gemeinde auffordert, diese Dinge zu tun. Aber durch die ganze Geschichte hindurch ist es selbstverständlich geworden, dies zu tun. Darin erkennen wir die Führung durch den Heiligen Geist. Die Gemeinde braucht die ständige Führung des Heiligen Geistes, um zu wissen, wann Gott sie dazu aufruft, sich in gesellschaftlichen Fragen zu engagieren, und wann sie sich ganz auf ihre primäre Berufung, Gottes Wort zu lehren, konzentrieren sollte.

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