Ist die Bibel ein schwer zu lesendes Buch?

Christen studieren die Bibel seit Jahrhunderten, und Theologen haben unzählige Bücher darüber geschrieben, wie bestimmte Verse zu verstehen sind – und sie sind sich nicht immer einig. Bedeutet das, dass die Bibel für normale Menschen zu schwierig zu lesen ist? Können wir einfach anfangen, selbst zu lesen, oder sollten wir zuerst einige Kurse absolvieren?

Das Kernanliegen der Bibel ist nicht schwer zu verstehen, aber schwer zu akzeptieren.

Du musst kein theologischer Experte sein, um die grundlegende Botschaft der Bibel zu verstehen (Klick hier für eine Zusammenfassung). Jesus sagt sogar: „Mein Vater, Herr über Himmel und Erde! Ich preise dich, dass du die Wahrheit über dein Reich vor den Klugen und Gebildeten verborgen und sie den Unwissenden enthüllt hast. Ja, Vater, das war dein Wille, so hat es dir gefallen.“ (Matthäus 11,25-26). In Lukas 18,16-17 sagt er: „Lasst die Kinder zu mir kommen und haltet sie nicht zurück, denn Menschen wie ihnen gehört Gottes Reich. Ich versichere euch: Wer sich Gottes Reich nicht wie ein Kind schenken lässt, der wird ganz sicher nicht hineinkommen.“
Der Grund dafür, dass viele Menschen „das Reich Gottes nicht empfangen“, ist nicht ihr mangelndes Verständnis, sondern vielmehr ihre mangelnde Bereitschaft, die Wahrheit anzunehmen, sich dem Herrn anzuvertrauen und sich Seinem Willen zu unterwerfen. Schließlich ist es nicht angenehm zu erfahren, dass man sündig ist, Gottes Zorn verdient hat und dieses Problem nicht allein lösen kann. Zunächst scheint es nicht attraktiv zu sein, seinen alten Lebensstil aufzugeben und Gottes Geboten zu gehorchen. Das ist es, was die Menschen zurückhält, nicht ihre Unfähigkeit, die Bibel zu verstehen. Die Worte Jesu machen deutlich, dass „klug und gebildet“ zu sein keine Voraussetzung dafür ist, ein Kind Gottes zu sein. Tief empfundene Buße und Glaube schon.

Wachse nach und nach in deinem Verständnis

Wenn du die Bibel zum ersten Mal liest, wirst du nicht jedes Detail verstehen und nicht alle wichtigen Verbindungen zwischen verschiedenen Versen im Text erkennen. Selbst wenn du die Bibel zum 21. oder zum 39. Mal liest, wirst du etwas übersehen. Aber wenn du weiter liest, über die Bibel nachsinnst und im Glauben wächst, wird sich dein Verständnis der Bibel vertiefen. So wie 1. Petrus 2,2 uns ermutigt, „Wie ein neugeborenes Kind nach Milch schreit, so sollt ihr nach der unverfälschten Lehre unseres Glaubens verlangen. Dann werdet ihr im Glauben wachsen und das Ziel, eure endgültige Rettung, erreichen.“ Wenn du das tust, wirst du schließlich zu einem reifen Christen. „Denn jeder, der noch Milch genießt, ist unerfahren im Wort der Gerechtigkeit, denn er ist ein Unmündiger; die feste Speise aber ist für Erwachsene, die infolge der Gewöhnung geübte Sinne haben zur Unterscheidung des Guten sowohl als auch des Bösen.“ (Hebräer 5,13-14, ELB)

Hintergrundinformationen können dir helfen, die Bibel besser zu verstehen

Die Bibel wurde über Jahrhunderte hinweg geschrieben, und viele heutige Leser sind mit ihrem kulturellen Hintergrund nicht vertraut. Wenn du dein Verständnis der Bibel vertiefen willst, ist es daher hilfreich, einen Kurs zu absolvieren oder Bücher zu lesen, die Hintergrundinformationen liefern. Eine weitere Möglichkeit, bestimmte Bibelverse besser zu verstehen, besteht darin, Zusammenfassungen der Bücher zu lesen, in denen sie vorkommen, um mehr über den Textzusammenhang zu erfahren. Siehe zum Beispiel unsere Artikelserie über verschiedene Bibelbücher.

Lies die Bibel zusammen mit anderen Christen

Eine weitere wichtige Quelle der Hilfe sind Mitgläubige. Einige von ihnen können echte Experten sein, da sie seit Jahrzehnten in der Bibel lesen oder an einer Bibelschule oder theologischen Universität studiert haben. In einigen Gemeinden gibt es ordinierte Pastoren, die dir bei deinen Fragen helfen können, oder Bibelstudiengruppen, in denen ihr in kleinen Gruppen Bibelverse lest und diskutiert. In den Gottesdiensten werden Bibelverse gelesen, erklärt und angewendet. Das Bibelstudium sollte keine individuelle Angelegenheit sein. Es ist sehr hilfreich, das persönliche Bibellesen durch gemeinsames Bibellesen zu ergänzen.

Vor allem brauchst du den Heiligen Geist

Letztlich geht es beim Verstehen der Bibel nicht nur um intellektuelles Wissen. Es geht viel weiter. Tiefes Verständnis ist nicht auf unser Gehirn beschränkt, sondern schließt unser Herz und unsere Seele mit ein. Deshalb brauchen wir geistliche Leitung, die uns der Heilige Geist gibt. In der ganzen Bibel finden wir Beispiele von Menschen, die die Heilige Schrift oder die Worte Jesu nicht verstanden haben (siehe z. B. Johannes 8,27; 10,6; 20,9). Wir können uns von ihren Gebeten um Erleuchtung inspirieren lassen: „Gib mir Einsicht, damit ich dein Gesetz befolgen kann und mich von ganzem Herzen danach richte!“ (Psalm 119,34)

Jesus hat Seinen Jüngern versprochen: „Der Heilige Geist, den euch der Vater an meiner Stelle als Helfer senden wird, er wird euch alles erklären und euch an das erinnern, was ich gesagt habe.“ (Johannes 14,26) Und das tat Er auch. Dieselben Jünger, die anfangs so wenig von den Worten Jesu verstanden, wurden Seine Zeugen auf der ganzen Erde. Und diese Verheißung der Hilfe des Geistes ist nicht auf die ersten Jünger Jesu beschränkt, sondern gilt für alle Gläubigen: „Trotz all eurer Bosheit wisst ihr Menschen doch, was gut für eure Kinder ist, und gebt es ihnen. Wie viel mehr wird der Vater im Himmel denen den Heiligen Geist schenken, die ihn darum bitten!“ (Lukas 11,13) Wenn du also die Bibel nicht verstehst und im Glauben wachsen willst, bitte den Heiligen Geist, dich zu lehren. Um Gottes Wort wirklich zu verstehen, braucht es eine lebendige Beziehung zu seinem Autor.

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